Am letzten Sonntag waren tg und ich mit meinen Eltern zu einem Tagesausflug verabredet. Um halb zwölf ging es dann los in Richtung Halterner Stausee.
Kindheitserinnerungen kamen in mir hoch, denn meine Oma väterlicherseits hat nie Kosten und Mühen gescheut, um mit ihren Enkelkindern dort mit einem Tretboot über den Stausee zu fahren. Das waren noch Zeiten, als man völlig unbeschwert seine Freizeit genießen konnte und da meine Oma eh ein recht lustiger Mensch ist, hatten wir bei solchen Ausflügen immer mächtig viel Spaß.
Nach einer halbstündlichen Autofahrt kamen wir am Hotel Seehof an und suchten uns dort einen Parkplatz. Eine kleine Bootsrundfahrt mit “der Möwe” war angedacht und so marschierten wir zur Anlegestelle, um dort festzustellen, dass wir das Boot nur um eine Viertelstunde verpasst hatten. Was aber nicht wirklich schlimm war, da dort jeden Tag die Schiffe zur vollen Stunde anlegen
. Was macht man also in einer guten Dreiviertelstunde? Kurz vorher fuhren wir an einem “Biergarten” vorbei und entschlossen uns dort ein Kaltgetränk zu uns zu nehmen. Bei “Jupp unner de Böcken”, der sich selbst als “der Erlebnis Biergarten in Haltern am See” bezeichnet, kehrten wir dann ein. Wirklich urig das Ambiente dort, da ein riesiges Blockhaus als Anlaufstelle für Getränke und Mahlzeiten dient. Aber vor allem die musikalische Untermalung mit erlesensten Schlager Melodien war göttlich
.
Nun ging es Richtung Möwe. “Einsteigen bitte!” “Jawoll”. Und schon ging es los. Langsam tuckerten wir bei schönstem Wetter über den Stausee und genossen den lauen Fahrtwind. Irgendwann knackte der Lautsprecher und wir mussten uns vom Schiffspersonal von uninteressanten Erzählungen einlullen lassen. Als ich die Augen wieder öffnete, waren wir wieder an der Anlegestelle angekommen
. Nur ein kleiner Scherz, wir waren noch lange nicht zurück. Eine kurze Zwischenstation wurde am Yachthafen mit einem gemütlich anmutenden Gasthaus namens “Die Stadtmühle” eingelegt. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten war, dass es uns zu einem späteren Zeitpunkt dorthin verschlagen würde.
Am Ende der Tour wurde eine kleine Raucherpause eingelegt und dann ab zum Auto. Der Magen knurrte. Man überlegte, wo mam nun einkehren solle und entschied sich dann zu eben erwähnter Stadtmühle. Der Weg dorthin war beschwerlich, da wir uns erstmal verfahren hatten und nur durch Zufall an unserem auserwählten Ziel ankamen.
Schon auf dem Weg zu den lukullischen Genüssen fielen uns immer wieder Schilder ins Auge mit Aufschriften wie z.B. “Tanztee ab 14 Uhr. Bitte den Terasseneingang benutzen”. Es war 15 Uhr! Oh mein Gott, wo waren wir denn hier blos gelandet. Als wir dann um die Ecke bogen und Richtung Terasse gingen, fielen uns schon aufgebrezelte alte Damen und Herren auf. Egal, erstmal hinsetzten und die Speisekarte studieren. Hörte sich alles ganz lecker an und schwups war die Bestellung auch schon raus
. So langsam drückte die Blase und ich machte mich auf den Weg zu den sanitären Anlagen.
Im Inneren des Gasthauses war der Teufel los. Ich war definitiv die Jüngste im Raum und kam mir deshalb auch ein wenig fremd vor. Auch die Gerüche die auf mich einströmten benebelten meine Sinne. 4711 wurde von Tosca und Konsorten übertüncht und schnürte mir fast die Kehle zu. Gott sei Dank kam ich lebend wieder aus diesem Rentnerinferno heraus und freute mich bereits auf das Essen.
Kurze Zeit später kam es dann auch und wir ließen es uns schmecken. Allerdings nur für geschlagene zwei Minuten, denn die Wespen hatten kein Mittleid mit unserem Hunger. Überall um uns herum wurde Kuchen, Eis etc. genossen aber an unserem Tisch tummelten sich drei der von mir gehassten Exemplare, weshalb tg und ich irgendwann die Flucht ergriffen und uns erneut in die Höhle des Löwen begaben. Dort konnten wir zumindest in aller Ruhe die Speise zu uns nehmen und uns das ein oder andere Schmunzeln nicht verkneifen.
Man soll ja nicht über alte Leute lästern, denn man selbst ist irgendwann wahrscheinlich mal genauso oder ähnlich
, aber was wir da an “Tanzeinlagen” geboten bekamen war mehr als comedyreif. Eine alte Dame ließ sich bei Ihrem Tanzgenossen so weit nach hinten fallen, das ich dachte, der guten Frau würde jeden Moment das Rückrat brechen. Sie kam auch fast gar nicht mehr hoch, aber das war den beiden völlig egal. Koste es, was es wolle!!! Der typische Schlagerbass schallte durch die Räume und die Stimmung wurde immer ausgelassener. Da war wohl vorher schon der ein oder andere Likör geflossen
.
Egal wie fremd einem so etwas vorkommt, aber ich finde es besser, wenn die alten Herrschaften noch ein bisschen auf die Piste gehen, als gelangweilt zu Hause vor dem Fernseher zu hocken. Ihr merkt schon, ich hätte ein Buch über diesen Ausflug schreiben können. Aber ich ende nun an dieser Stelle und kann jedem nur empfehlen, sich dieses Erlebnis einmal anzutun. Ich komme auch gerne noch einmal mit. Aber dann habe ich meine Oma im Schlepptau
!!!
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